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  • Messe Wien

02.08.2022

Baubeginn im Herbst - Pro & Contra für Hausbau in den Herbstmonaten

Wenn der Traum vom eigenen Haus bald Wirklichkeit wird, aber der nächstmögliche Termin für den Baubeginn der Herbst ist, kommen oft Zweifel auf. Sind die Herbstmonate eine gute Zeit für den Hausbau oder ruiniert das Herbstwetter das Projekt? Die wichtigsten Fakten und Tipps dazu sind hier für Sie zusammengestellt.

Text von Lilian Amina Derndler, BA, Content Management

Das Eigenheim ist für viele ein Lebenstraum. Doch der Hausbau ist zeit- und kostenintensiv. Wenn sich das Bauprojekt verzögert, steigen Stress und Kosten. Daher muss der Bau gut geplant sein. Ein Baustart in den Herbstmonaten bietet Vorteile, ist aber auch mit potenziellen Nachteilen verbunden. Die Details im Überblick.

Bauen im Herbst: Vorteile

Traditionell gelten Frühling und Sommer als Bauzeit. Aber auch in den Herbstmonaten kann gebaut werden. Dann bieten sich sogar folgende Vorteile:

#1: Da die Herbstzeit im Baugewerbe als Nebensaison gilt, ist die Nachfrage geringer. Bauunternehmen und alle anderen Nachunternehmer haben weniger volle Auftragsbücher. Das steigert die Chancen, dass der Bauplan zeitlich eingehalten wird, da es nicht an Arbeitskräften mangelt.

#2: Auch die Nachfrage nach Baumaterial ist geringer, was sich positiv auf die Lieferzeiten und Preise auswirken kann.

#3: Der Winter verschafft dem Rohbau eine Pause, in der er trocknen und sich setzen kann. Das ist vor allem bei der klassischen gemauerten Bauweise sinnvoll.

#4: Keine monatelange Wartezeit. Insbesondere wichtig, falls der Kredit schon läuft. Das Stichwort in diesem Zusammenhang lautet Bereitstellungszinsen. Die Bank berechnet die Bereitstellungszinsen dafür, dass sie das Geld parat hat, auch wenn die Auszahlung noch auf sich warten lässt. Ausgezahlt wird der Kredit schrittweise entsprechend den Bauphasen. Die Bereitstellungszinsen sind ein zusätzlicher Kostenpunkt und ihre Abzahlung tilgt nicht den Kredit.

Nachteile bei Baubeginn im Herbst

Der Hausbau in den Herbstmonaten ist auch mit potenziellen Nachteilen verbunden. Vor allem das Wetter kann das Bauprojekt erschweren.

#1: In der Herbstzeit wird jeder Tag kürzer. Das bedeutet, dass es kontinuierlich immer weniger Tageslichtstunden gibt. Daher kommt das Bauunternehmen meist auf weniger Arbeitsstunden pro Tag als im Sommer. Das kann und sollte im Bauplan berücksichtigt werden. Kommen allerdings unvorhergesehene Erschwernisse hinzu, kann sich die Bauphase in die Länge ziehen.

#2: Herbststürme, viel Regen und von Woche zu Woche sinkende Temperaturen können ungewollte Baupausen verursachen. Besonders ärgerlich ist es, wenn es "zum falschen Zeitpunkt" wetterbedingt nicht weiter gehen kann und schnell zusätzliche Vorkehrungen getroffen werden müssen, die mit Extrakosten verbunden sind.

#3: Eine Beschädigung der Baumaterialien ist ein potenzielles Risiko beim Herbstbau. Mehr zum Thema Haftung gibt es im letzten Abschnitt.

#4: Und falls der Winter früher kommt als gewöhnlich, kann ein kompletter Baustopp nötig sein. Das verzögert im schlimmsten Fall den geplanten Einzugstermin. Sollten zum Eintreffen der winterlichen Witterungsverhältnisse Ausgrabungen, Arbeiten am Fundament oder Außenarbeiten noch nicht abgeschlossen sein, sind spezielle Vorbereitungen für den Winterbau nötig. Das ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Ist das Bauprojekt dann schon weiter fortgeschritten, können Dinge wie ein Notdach oder eine Baustellenheizung nötig werden, um mit dem Innenausbau weitermachen zu können.

Hürden und Erschwernisse beim Hausbau in den Herbstmonaten

Liegt der Baubeginn im Oktober, schafft man es meist noch bis zum Winter ein Dach auf den Rohbau zu setzen. Doch das Wetter ist in der Herbstsaison weniger stabil als im Frühling und Sommer und kann den Bau erschweren. Als wichtige Temperaturgrenze für die meisten Materialien gelten +5 Grad Celsius. Betonarbeiten lassen sich zwar auch bis -5 Grad ausführen, allerdings nur mit Zusatzmaßnahmen. Beispielsweise Stahl- und Mauerarbeiten gehen wirklich erst ab +5 Grad.

Eine weitere potenzielle Hürde ist der fehlende Zeitpuffer. Sollte es beispielsweise zu Lieferengpässen beim Baumaterial kommen, kann eine zweiwöchige Wartezeit den Bau für das laufende Jahr geradezu sabotieren. Daher ist es beim Baubeginn im Herbst sehr wichtig, frühzeitig das Material zu bestellen.

Hausbau in der Herbstzeit: Was muss man noch wissen?

Ein Baubeginn im Herbst bringt viele ins Zweifeln. Erleichterung verschafft ein Blick in regionale Klimatabellen. Sie zeigen, wie sich die Temperatur im Tagesverlauf verändert und welche Niederschlagsmengen üblich sind. Zum Bauen muss die Temperatur über den Tag hinweg (und nicht nur zur wärmsten Mittagszeit) über +5 Grad Celsius liegen. Der Wettertrend der letzten Jahre zeigt, dass es in der Herbstzeit eher häufiger zu warm als gewöhnlich ist.

Grundsätzlich gilt: Für den Schutz vor witterungsbedingten Einflüssen am Rohbau und Material steht das Bauunternehmen in der Pflicht. Und zwar so lange, bis das Haus abgenommen ist. Aber: Welche Schutzleistungen die beauftragte Baufirma garantiert und wer im Fall von Schäden haftet, sollte unbedingt vor der Vertragsunterzeichnung klar definiert und schriftlich fixiert werden.

Sinnvoll ist auch zu klären, wer die Zusatzkosten für Winterbaumaßnahmen trägt, falls diese nötig werden.

Beim Hausbau in der Herbstzeit ist ein Zeitpuffer wichtiger als beim Bauen im Frühling oder Sommer. Auf diese Weise sichert man sich etwas gegen unvorhergesehene Wettereinflüsse ab.

Zum Thema Zeit ist auch wichtig zu beachten, dass praktisch das gesamte Baugewerbe in den zwei letzten Wochen des Jahres (KW 51 und 52) ruht. In katholisch geprägten Gegenden fängt die Arbeit erst wieder in der zweiten Kalenderwoche des neuen Jahres an. Das muss der Bauplan berücksichtigen.

Außerdem sollte das Material frühzeitig bestellt werden, weil in der Herbstsaison die Zeit zu knapp ist, um die Arbeit aufgrund von Materialmangel ein oder zwei Wochen lang ruhen zu lassen.

Fazit

Ein Baubeginn im Herbst ist bei gewissenhafter Planung, geregelten Schutzleistungen und Haftungsfragen sowie einem Zeitpuffer durchaus sinnvoll. Und wer früher mit dem Bauen anfängt, ist früher fertig.